Arbeitslosigkeit = Ausweglosigkeit, Hartz-IV-Empfänger werden von der Politik aktuell zu Sündenböcken abgestempelt. Warum deklariert die Gesellschaft die zwischenzeitlich “normalen” 10 Prozent des europäischen Nicht-Arbeitslebens nicht als normalen Anteil der mit Weiterbildung, Neuorientierung, Selbstfindung und Regeneration Beschäftigten? Würde der Mangel an Bildung in der BRD dadurch gar zu deutlich? Ist wachsende Konkurrenz zwischen den gesellschaftlichen Schichten von den Regierenden etwa erwünscht?

Stand heute in der relativ wohlhabenden BRD: 11,5 Millionen Deutsche, rund 14 % sind von Armut betroffen – ein Drittel mehr als vor zehn Jahren. Der Hauptgrund ist natürlich die Arbeitslosigkeit. Allerdings ist das Armutsrisiko aus Expertensicht in den vergangenen Jahren auch für immer mehr Menschen gestiegen, die einem regelmäßigen Job im (neudeutschen) Niedriglohnsektor nachgehen. Viele können in Deutschland inzwischen selbst von einem 40-Stunden-Job nicht mehr leben, geschweige denn ihre Familie ernähren. Während die Einkommen des reichsten Zehntels in den vergangenen acht Jahren real um 14,5 Prozent zulegten, sanken die des untersten Fünftels um reale acht Prozent.

Wie lautet die offizielle Definition von Armut? Global gesehen, nach der absoluten Ansicht der Vereinten Nationen /UN geht es um Menschen, die weniger als 90 Cent am Tag zum Leben haben. In Europa dagegen wird der Armutsbegriff relativ bewertet. Als armutsgefährdet gelten hier Menschen, deren Einkommen weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens beträgt, arm sind diejenigen, die über weniger als 50 Prozent verfügen. Im Umkehrschluß bedeutet das: Wenn dieser Durchschnitt steigt, sind die Armen im existenziellen Sinne weniger arm. Wenn er sinkt, sind sie es umso mehr. Leider sind die Armen in Europa in den letzten Jahren nicht nur mehr geworden, sie sind demzufolge gleichzeitig auch ärmer geworden.

Druck durch Strafe gegen Hartz-IV-Empfänger und der dritte Arbeitsmarkt. Markige Sprüche bekannter deutscher Politiker weisen in die gewünschte Richtung: ..damit niemand das Leben von Hartz IV als angenehme Variante ansieht.. und Wir müssen jedem Hartz-IV-Empfänger abverlangen, dass er als Gegenleistung für die staatliche Unterstützung einer Beschäftigung nachgeht, auch niederwertige Arbeit, im Zweifel in einer öffentlichen Beschäftigung. – womit der dritte Arbeitsmarkt, also die jetzigen Ein-Euro-Fünfzig-Jobs und noch zu etablierende zukünftige Formen der Lebensregelung für Verlierertypen gemeint sind. Strassenfeger und Busputzer in Zwangsarbeit auf dem Existenzminimum, das erinnert verstärkt an Arbeitshäuser und Arbeitslager.